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ALM

5 Aspekte zur Auswahl des passenden ALM Tools

ALM-Tool-Auswahl: eine Entscheidung für Jahre. Als anbieterneutraler Berater zeige ich 5 Aspekte, auf die es wirklich ankommt — jenseits von Demo-Videos.

Julian Weyer
Julian Weyer21. Februar 2025 · 4 Min. Lesezeit
5 Aspekte zur Auswahl des passenden ALM Tools

Die Wahl des richtigen ALM-Tools ist keine alltägliche Entscheidung. Was heute eingeführt wird, prägt Prozesse, Schnittstellen und Arbeitsweisen für viele Jahre — oft für ein ganzes Jahrzehnt. Umso wichtiger ist es, strukturiert vorzugehen und nicht dem Glanz einer überzeugenden Produkt-Demo zu erliegen.

Als Berater für PLM und ALM begleite ich Unternehmen genau durch diesen Auswahlprozess — anbieterneutral. Ob es am Ende Siemens Polarion, PTC Codebeamer, Atlassian Jira, Jama Connect oder ein anderes Tool wird, hängt von den konkreten Anforderungen ab, nicht von Hersteller-Präferenzen. Hier sind fünf Aspekte, die ich in jeder Evaluation für entscheidend halte.

1. Eignung für den Prozess

Das klingt selbstverständlich, wird aber in der Praxis häufig unterschätzt: Ein ALM-Tool muss zu den Fachprozessen und Geschäftsobjekten passen, die im Unternehmen tatsächlich gelebt werden — nicht zu den Prozessen, die im Anbieter-Pitch gezeigt werden.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht „Was kann das Tool?”, sondern „Was brauche ich, und kann das Tool das?” Dafür ist eine fundierte Analyse der Ziel-Prozesse Voraussetzung. Wer nicht genau weiß, was er in einem ALM-Tool abbilden will, kann auch nicht beurteilen, ob ein konkretes Tool passt. Die notwendigen Anpassungen (Konfiguration, Customizing, Schulungen) sollten dabei realistisch eingeschätzt werden — viele Tools sind im Standard gut, aber in der unternehmenseigenen Ausprägung aufwendiger als erwartet.

2. Schnittstellen

Ein ALM-Tool steht selten allein. Es muss an benachbarte Systeme angebunden werden: das PLM-System, die Source-Code-Verwaltung, Test-Automatisierungstools, vielleicht ein ERP. Medienbrüche — also Stellen, wo Informationen manuell übertragen werden müssen — sind teuer und fehleranfällig.

Die Frage nach Standard-Schnittstellen ist deshalb keine nachgelagerte Integration-Diskussion, sondern ein Kern-Auswahlkriterium. Ein Tool, das gut in die bestehende Tool-Landschaft passt, hat langfristig Vorteile gegenüber einem nominell leistungsfähigeren Tool, das aufwendig integriert werden muss. Offene Standards wie ReqIF, OSLC oder REST-APIs spielen hier eine wichtige Rolle.

3. Passung zur IT-Strategie

Die IT-Abteilung hat eine Meinung dazu, und die sollte früh eingeholt werden. Viele Unternehmen haben Vorgaben, ob neue Tools in die Cloud dürfen oder On-Premise bleiben müssen — aus Datenschutz-, Sicherheits- oder Governance-Gründen. Auch die Frage „Best-in-Class vs. Best-of-Suite” ist relevant: Wer bereits stark in ein Ökosystem (z.B. Atlassian, Microsoft) investiert hat, hat andere Ausgangsbedingungen als jemand, der mit einem leeren Blatt anfängt.

Ignoriert man die IT-Strategie in der Tool-Auswahl, entstehen später Reibungsverluste — manchmal sogar formale Ablehnungen.

4. Wirtschaftlichkeit

Die Lizenzkosten sind sichtbar, die Gesamtkosten oft nicht. Neben Lizenzen und Wartung fallen Kosten für Implementierung, Schulungen, laufende Administration und mögliche Anpassungen an. Außerdem lohnt ein Blick auf die IT-Landschaft insgesamt: Lassen sich durch eine Tool-Entscheidung Lizenzsynergien heben — etwa durch Konsolidierung auf einer Plattform?

Wichtig: Kosten sparen ist kein Selbstzweck. Ein günstigeres Tool, das die Prozesse schlechter unterstützt oder mehr Integrationsaufwand erzeugt, ist am Ende teurer als eine gut getroffene, vielleicht teurere Investition. Der Return on Investment — also was das Tool an Effizienz, Qualität und Geschwindigkeit bringt — steht im Vordergrund.

5. Zukunftsfähigkeit

Eine Tool-Einführung ist eine langfristige Bindung. Deshalb lohnt ein Blick auf den Anbieter selbst: Wie verlässlich ist er? Was plant er für die nächsten Jahre? Passt die Roadmap zur eigenen Strategie?

Ein Tool, das heute perfekt passt, aber vom Anbieter nicht weiterentwickelt wird oder in ein größeres Ökosystem eingemeindet wird, kann in drei Jahren schon ein Problem darstellen. Marktstellung, Investitionsbereitschaft und Community des Anbieters sind deshalb relevante Faktoren — nicht nur die aktuelle Feature-Liste.

Fazit

Die Auswahl eines ALM-Tools ist keine reine Technikentscheidung. Prozesskenntnis, Schnittstellenstrategie, IT-Governance, Wirtschaftlichkeitsrechnung und ein realistischer Blick auf die Anbieter-Roadmap spielen alle eine Rolle. Wer diese fünf Aspekte strukturiert durcharbeitet, trifft eine Entscheidung, die auch in fünf Jahren noch trägt.

Welche Erfahrungen habt ihr bei der ALM-Tool-Auswahl gemacht? Welche Aspekte haben in eurem Unternehmen den Ausschlag gegeben? Ich freue mich auf den Austausch.